Werte und Normen in Zeiten des Umbruchs
vom 08 /09.01.2010 in Mainz, Erbacher Hof

Rotary District 1860 in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, Mainz, und dem Erbacher Hof, Akademie des Bistums Mainz

"Einzigartigkeit, Andersheit und Gegenseitigkeit sind die äußeren Voraussetzungen der dialogischen Strukturen der Argumentation. Doch gibt es einen besseren Garanten für die Trilogie als die Liebe?"
(Paul Ricœur)

Von der Frage des am 20. Mai 2005 verstorbenen bedeutenden französischen Philosophen Paul Ricœur nach der Wirkform menschenmöglichen Handelns herausgefordert, stellt sich die Wert- und Normenfrage als Kernproblem.

Was trägt die Wirklichkeit in bewegter Zeit? Welche Logik bestimmt unser Handeln? Was können wir unter einer "Liebeslogik" verstehen? Läßt sich eine Philosophie der Praxis begründen und auch leben?

Papst Benedikt XVI. gab ein Büchlein heraus mit dem Titel: "Werte in Zeiten des Umbruchs. Die Herausforderung der Zukunft bestehen" (Freiburg: Herder, 2005). Seine Weltsicht weicht ab von den pragmatisch und positivistisch orientierten Sehweisen von Wirklichkeit. Für eine Philosophie der Praxis, wie sie Papst Benedikt vertritt, wäre dieser Blick zu kurz gegriffen.

Wie lässt sich heute in Politik, Wirtschaft und Medizin ein wertorientiertes menschliches Handeln begründen, hat doch das Sinn- und Wertgefüge in Zeiten innerer und äußerer Bedrohung starke Risse bekommen? Leben wird "patentiert". Der Mensch spürt in allen Bereichen die Ungesichertheit seiner Existenz, Ohnmacht steigt auf und die Frage nach dem alle Menschen Verbindenden wird wieder in allen Lebensbereichen virulent. Selbst der positiv angenommene Pluralismus und eine aus ihm gestaltete Partikularität geraten an Grenzen: Das Ganze und Universale - Sinnstiftende - wird gesucht. In der Krise wird der Ruf nach Grundwerten laut, Wertestudien postulieren eine Rückkunft des Religiösen, ja selbst Kirchenferne erheben gerade heute den Anspruch an die Kirche, die Theologie und die Ethik mögen die Einheit der Werteordnung begründen und transportieren.

Was hält also die Gesellschaft angesichts all dieser Bedrohungen, der ideologischen Verblendungen, der ökonomischen Krise, der politischen Ratlosigkeit im Innersten zusammen?